Venter-Familie unterwegs in Namibia & Botswana - Juli 2013

Natürlich räume ich ein, dass ein amerikanischer Präsident wichtiger ist als ein südafrikanischer Reiseveranstalter aus Neubrandenburg. Jedoch unsere Kinder sahen das nur schwer ein, da wir für unseren Anschlussflug in Frankfurt deshalb einen Sprint hinlegen mussten, bei dem Usain Bolt ganz sicher alt ausgesehen hätte. Wenigstens haben wir es geschafft – unsere fünf Koffer konnten sich nicht so beeilen und kamen mit ein paar Tagen Verspätung in Afrika an.

Da hatten wir aber schon längst den heimischen Textilhandel angekurbelt, denn gegen eine Shopping-Tour hat meine Frau Katja generell nichts einzuwenden. Unsere drei Kinder waren sowieso bereits ab dem Moment vollkommen in Urlaubsstimmung, als Oma und Opa sie am Flughafen in Windhoek mit „Welcome to Africa“ begrüßten. Wir machten uns dann alsbald auf den Weg, der uns fast vier Wochen lang durch Namibia und Botswana führen und zu einem einmaligen Erlebnis werden sollte.

Nach zwei Nächten in den Auasbergen und im Gamsberg Nature Reserve war Swakopmund unsere erste längere Station. Statt namibischem Wildlife stand also erst einmal ziviler Urlaubsspaß auf dem Programm. Natürlich haben wir die Tage für einen „Dolphin & Seal-Cruise“ mit Catamaran Charters genutzt. Das Glück war uns dabei hold, denn wir sahen nicht nur hungrige Pelikane und ziemlich energische Robben, sondern konnten diesen auch ganz nahe kommen und sie füttern. Für Kinder ist das ein besonderes Erlebnis, das nur davon getoppt werden kann, wenn sie den eigenen Vater mit einem Mal am Steuerrad des Bootes sehen. Naja, vielleicht waren die Wale die wir erblickten, dann doch die größere Attraktion.

Klein aber oho – sagt man im Deutschen, oder? Selbst als Südafrikaner weiß ich nun, was damit gemeint ist. In Swakopmund begaben wir uns mit Chris von Living Desert Adventures auf eine Tour durch die Wüste. Niemand sollte diese Tour verpassen, wenn er in der Nähe Swakopmunds ist. Chris ist ein Entertainer, der es auch versteht, Kinder zu begeistern und für die Natur zu faszinieren. Dass ihm die Natur und seine Heimat am Herzen liegen, spürt man in jedem Satz. Einen Satz wiederholt er ständig: „Wir haben die Tour noch nicht einmal begonnen!“ Recht hat er! Zwar sieht man in den vier bis fünf Stunden eine Menge Spinnen, Echsen, Schlangen, Käfer oder Skorpione, aber man ahnt, welche Vielfalt diese Wüste noch bereithält.

    


Um Vielfalt dreht es sich auch, wenn man das Damara Living Museum besucht. Sie merken, wir sind auf unserer Reise schon einige Kilometer nördlich in der Nähe des von Damara betriebenen Aba-Huab Campingplatzes. Unsere Kinder – zwischen sieben und zwölf Jahre alt – hatten eine wahre Freude an dieser lehrreichen Begegnung. Ich glaube, sie versuchen noch immer die Sprache und Tänze nachzuahmen.

    


Dass in der Ruhe eine Menge Kraft liegen kann, um mal wieder eine deutsche Redensart zu bemühen, merkten wir sehr schnell im Etosha-Nationalpark. Natürlich sollte man hier im Okaukuejo Camp zumindest vorbeischauen. Das dortige Wasserloch zieht die Tiere magisch an und man kann tagsüber oder in der Nacht die spannendsten Beobachtungen machen und die Gedanken dabei schweifen lassen. Wer mit Kindern reist, hat die Möglichkeit, dank des tollen Swimmingpools, immer zwischen einem Wechsel von Badespaß und Naturbeobachtungen zu wählen, der garantiert nie langweilig wird. Auch in der unmittelbaren Nähe des Halali Rest Camp gibt es ein oft besuchtes Wasserloch.

    


Im Onguma Bush Camp, welches direkt am Etosha Park grenzt, ist es für Kinder mindestens genauso spannend. Die Campleitung hat sich dort eine richtig gute Sache einfallen lassen: Besucher können Schulsets kaufen, die dann an die örtliche Schule weitergereicht werden. Solche Aktionen von sozialer Verantwortung und Nachhaltigkeit begeistern mich immer wieder, auch weil sie fester Bestandteil der Venter Tours-Philosophie sind. Es war also eine Ehrensache, dass wir uns daran beteiligen.

    

 
Weiter ging es dann Richtung Caprivi in die Hakusembe River Lodge bei Rundu. Hier haben wir selbst eine Schule besucht und verteilten einen Teil der Geschenke, die wir aus Deutschland mitgebracht hatten. Nicht erst seit den Fußball-Weltmeisterschaften in Deutschland und Südafrika sind wir eine begeisterte Kicker-Familie, sondern bereits seit Jahren selbst aktiv. Meine Frau und ich als Fans, die Kinder als Spieler. Daher hatten wir die Mitglieder des Fußballclubs Neubrandenburg 04 gebeten, Trikots, Bälle und andere Utensilien zu spenden. Die Übergabe war wirklich ein Fußballfest.

    

 
Auf dem Kwando erlebten wir kurze Zeit später ein ganz anderes Fest – dieses Mal eines des puren afrikanischen Wildlifes. Die Bootsfahrt von der Lianshulu Lodge zum Camp Kwando hätte daher ruhig länger sein können. Wenn es so viel auf deutschen Autobahnen zu erleben gäbe, ich sage Ihnen, Reisen wäre wieder ein Vergnügen. Wir sind nach den tollen Begegnungen mit Hippos und Krokodilen dann weiter zur bekannten Chobe Safari Lodge. Hier gab es den tierischen „Nachschlag“. Fünf eher selten anzutreffende Wildhunde und ein Löwe, der genüsslich einen Impala-Kopf „liebkoste“. Mit Freunden machten wir uns abermals auf eine Bootstour und wissen nun, was die deutsche Redewendung „zum Greifen nah“ bedeutet. Und ich rede hier von tonnenschweren Elefanten!

    

 
Auf dem Weg von der Chobe Safari Lodge zum Camp Savuti hatten wir uns schon längst an die Schönheit Botswanas gewöhnt und nicht gedacht, dass dies als noch getoppt werden könnte. Andere Männer würden hier nun vielleicht von den rund 140 sandigen und holprigen Kilometern quer durch Botswana berichten, für die wir, ohne stecken zu bleiben, vier Stunden gebraucht haben. Da ich aber auch vorher nicht von meinem Geschick im Umgang mit dem erstklassigen Geländewagen berichtet habe, soll dies auch hier hinten anstehen. Wir konzentrierten uns viel lieber auf die vielen Löwen oder einen Leoparden, der sich hinter einem Elefanten im Baum versteckt hatte. Dabei gelang uns eine spektakuläre Aufnahme! Während es im Savuti noch eine bequeme Tented Camp-Lösung für uns gab, wählten wir die kommende Nacht echtes Campingabenteuer am Khwai-Fluss. Ich habe noch das Bild vor Augen, wie ein Wildhund in der Dämmerung einen Impala jagt – und das nur wenige Meter von unserem Zelt entfernt. Für unsere Kinder war es schon etwas Besonderes, wenn sie beim Zähneputzen am Waschbehälter die Augen aufhalten mussten, da quasi überall ein Knacken und Rascheln zu hören war. Später in den Dachzelten bestätigte sich unser Verdacht, denn das Löwengebrüll raubte uns förmlich den Schlaf. Wir Erwachsenen waren fasziniert, unsere Kinder können die Geräusche der Wildnis heute immer noch imitieren. Gut, es waren nachts wirklich sieben Löwen dort, wer weiß aber, wen wir getroffen hätten, wären wir drei Nächte geblieben. Hyänenspuren gab es um unser Zeltlager jedenfalls eine Menge…

    


Weiter ging es auf dem Weg Richtung Maun. Und unsere Fahrt nahm tatsächlich noch einmal richtig Fahrt auf. Denn wir begaben uns auf eine Bootssafari von Maun tief in den Moremi hinein. Die Tour unternahmen wir mit unseren Freunden wie auch Eigentümern von Endeavor Safaris und ihren 3 Kindern. 

Sieben Stunden waren wir auf dem Boot unterwegs, erlebten die Wildnis im Okavango Delta hautnah und die Zeit verflog – traumhaft. Die Fahrt wäre nur halb so schön gewesen, wären wir nicht als Familie gereist. Es ist wirklich toll zu sehen, wie Kinder die Natur erleben. Zum Beispiel, wenn sie selbst einmal das Steuer übernehmen oder Fischen können. Und die wirklich großen Fische bissen dort sehr gut. So gut, das wir auf einer kleinen, einsamen Insel im Delta ein Fisch-Barbecue erleben durften.

    

 
Es war vielleicht auch eine gute Fügung, dass die Kinder die Angel in der Hand hatten, denn als wir auf eine Sandbank fuhren, entschied ich mich spontan für ein Bad im Delta. Etwas unfreiwillig, aber ich weiß nun, wie man sich im Fall der Fälle verhält. Es ist ja nicht so, dass im Delta nicht eine Menge Krokodile leben. Für unsere Kinder war das ein Schock – für mich eine vitale Erinnerung an unsere Namibia Excursion-Tour vor zwei Jahren. Ach übrigens, auch dieses Mal habe ich meine Sonnenbrille dabei eingebüßt. Jedenfalls konnte ich bei dieser Aktion meine Schwimmfähigkeiten testen und wenig später auf diese Weise ein Kudu-Skelett aus dem Wasser hieven – ohne Anstrengung natürlich. Dies führte zu einer solchen Begeisterung, dass das dortige Chau Island nun in Chau Kudu Island umbenannt wurde. Und diejenigen, die an meiner Story zweifeln, fahrt hin und überzeugt euch von den gewaltigen Kudu Hörner auf der einsamen Insel… 

Ein jeder Urlaub hinterlässt halt Spuren. Auf beiden Seiten. Daher sollte man auch immer behutsam reisen.

Ich glaube, unsere Kinder wissen nun, was dies bedeutet. Sie haben das Badezimmer gegen die Buschdusche getauscht und lauschten dem Schrei des Seeadlers anstelle des Hahnenschreis am Morgen in Deutschland. Sie ließen ihre elektronischen Spielzeuge zu Hause und tobten sich beim Fußball oder spannenden Pirschwanderungen aus. Und wenn man abends Marshmallows übers Lagerfeuer hält, ist die Welt sowieso in Ordnung. Schweren Herzens verabschiedeten wir uns aus der Wildnis und traten über Ghanzi und Gobabis unseren Rückweg nach Windhoek an.

    

 
So war er, der Venter-Familienurlaub 2013. Dafür ein herzliches Dankeschön an alle, die uns bei dieser Reise begegnet sind. Alte Freunde, die wir besucht haben und neue, die uns ans Herz gewachsen sind.

P.S. Da wir in der Nebensaison gereist sind, waren wir oftmals ganz allein auf weiter Flur. Bis auf ein paar Südafrikaner, was mir natürlich sehr zugesagt hat.

Unsere Unterkünfte:
Goche Ganas Nature Reserve – Hakos Gästefarm – The Stiltz – Aba-Huab Campsite – Vingerklip Lodge – Taleni Etosha Village – Halali Rest Camp – Onguma Bush Camp – Hakusembe River Lodge – Lianshulu Lodge – Camp Kwando – Chobe Safari Lodge – Camp Savuti – Khwai Campsite – Endeavour Safaris – Zelda Game & Guest Farm – Casa Blanca Boutique Hotel – The Safari Club

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