Bereits zum dritten Mal traten drei Freunde eine Abenteuerreise nach Südafrika an. Unterwegs waren sie mit einem Nissan, dessen Dachzelte ihnen als Herberge dienten. Namibia, Botswana und Zimbabwe präsentierten ihnen teilweise echte Herausforderungen.
Die dritte Reise nach Namibia sollte uns noch tiefer in ursprüngliche Wildnis führen. Die Tour wurde wieder nur grob geplant, um im unbekannten Territorium immer variabel sein zu können....
Die eigenartige schmale Nordostverlängerung Namibias, der Caprivistreifen, ein Sumpf- und Waldgebiet zwischen Okavango und Kwando mit mehreren Nationalparks sollte das erste Ziel sein, dann Botswana mit den klangvollen Naturparadiesen Chobe, Savuti und Moremi am Rand des Okavangodeltas. Eine echte Herausforderung, denn wenn es hier regnet, dann wolkenbruchartig und riesige Schlammpfützen werden schnell unüberwindbar.
In Windhoek übernahmen wir am 7. Januar 2007 einen kraftstrotzenden 6-Zylinder-Nissan mit Allradantrieb und Dachzelten, die für die nächsten drei Wochen unser „Zu Hause“ sein sollten. Beim Autoverleih trafen wir uns mit unserem namibianischen Freund Isaac, der uns in diesem Jahr auf der ganzen Strecke begleitete.
Die ersten drei Tagesetappen führten uns über Okahandja, Grootfontein und Rundu bis zum Mahango Game Park. Der liegt an der Grenze zu Botswana und an der Westseite des Caprivistreifens. Ein kleiner nur 10.000 ha großer Park, aber sehr tierreich. Wald und Wiesen saftig grün und Sumpflandschaften wechseln sich ab, manchmal europäisch anmutend. Und dann plötzlich Elefanten, Flusspferde, große Impalaherden, Giraffen, Kudus, Zebras, Gnus, Warzenschweine, Strauße, Warane, Adler und auch Säbelantilopen, die mit ihrer majestätischen Eleganz schon etwas Besonderes sind. Und wir staunten uns durchs Paradies.
Durch den eigentlichen Caprivi-streifen von Divundu nach Kongola sind es ca. 200 km und man fährt auf einer recht guten Teerstraße. Vor Divundu finden sich viele malerische und ursprünglich anmutende kleine Dörfer der Kavango. Nördlich von Kongola dann ein Park, der auf unserer Karte gar nicht eingezeichnet war – touristenfrei. Über den „pirschigen“ Tag trafen wir keinen Menschen und auch die Tiere sind dort sehr scheu, selbst Büffel und Elefanten. Nach einem wohltuenden Buschfrühstück endete die Weiterfahrt mitten im Wald an einem rostigen Blechschild mit der Aufschrift „200m bis zur Grenze Angolas“.
Südlich von Kongola befindet sich der 100.000 ha große Mudumu Nationalpark. Wir übernachteten auf dem Campingplatz der malerisch am Kwandofluss gelegenen Kwandolodge.
Die Rangerstation im Park zu finden ist nicht ganz einfach, aber dann mit Permit versehen entschädigten uns die intensiven Wasserspiele der Flusspferde am so genannten Hippopool. Ungefähr 15 Hippos tummelten sich unbeschwert 15 m vor uns im Wasser, und bis zum Sonnenuntergang konnten wir das Schauspiel als stumme Zuschauer genießen. Zusätzlich ermöglicht das letzte Abendlicht fast immer die interessantesten und stimmungsreichsten Fotos, ebenso die erste helle Morgenstunde von 6 bis 7 Uhr.
Am nächsten Tag ging es über Katima Mulilo nach Ngoma zur botswanischen Grenze. Freundlich und unaufgeregt ließ man uns in ca. 30 min passieren und die
nächsten 60 km führten schon durch den Chobe Nationalpark nach Kasane. Vor Ort findet man immer am schnellsten heraus, was geht und was nicht. Und so hatten wir uns kurzfristig entschlossen, am nächsten Tag mit dem eigenem Auto nach Zimbabwe zu fahren, um die großartigen Victoriawasserfälle zu besuchen.
Nach staatlich sanktionierter Grenzabzocke waren die 80 km bis Vic Falls eine Kleinigkeit und die Wasserfälle ein außerordentlich beeindruckendes Erlebnis. Auf breiter Front stürzt das Wasser tosend fast 100 m in die Tiefe. Was für ein Naturschauspiel! Und wohl niemand verzichtet hier auf ein Foto am Denkmal des legendären Afrikaforschers Livingstone.
Nachmittags schnell wieder raus aus dem zurzeit als unsicher verrufenem Zimbabwe und zurück nach Botswana – Erleichterung. Schon einen Tag später sollte das absolute Highlight unserer Abenteuerreise folgen, das Wagnis einer ca. 300 km langen Wildnisdurchfahrt bis Maun.
Die Alleindurchfahrt mit nur einem Auto wäre übermütiger Leichtsinn, also suchten wir uns auf dem Campingplatz in Kasane Gesinnungsgefährten. Wir fanden ein Ehepaar aus der Nähe von Hamburg, das am übernächsten Tag gemeinsam mit uns starten wollte. Doch daraus wurde nichts. Durch Regen nicht befahrbar – hatten sie gehört, „zu gefährlich“, sagten sie, als wir starten wollten. So tranken wir erst einmal ein Enttäuschungsbier und schmiedeten neue Pläne. Wir fuhren ca. 60 km in den Chobe Nationalpark hinein und von unzähligen Elefanten umgeben verbrachten wir die Nacht auf dem wunderbar am Chobefluß gelegenen Campingplatz Ihaha.
Und dort lernten wir Davide, Georgio und Heinrich aus der Schweiz kennen.
Unkompliziert wurde die gemeinsame Wildnisdurchfahrt beschlossen, d. h., vorerst wollten wir es bis ins 100 km entfernte Savuti schaffen. Im Ernstfall konnten wir ja umkehren.
Die erste Herausforderung war eine 40 km-Tiefsandstrecke, die Wegränder waren so dicht bewaldet und der Weg so schmal, dass ein entgegenkommendes Fahrzeug ein Problem gewesen wäre. Es kam niemand.
Im Nationalpark gab es wenige Hinweisschilder, oft unbeschilderte Abzweigungen – aber unsere Schweizer Eidgenossen hatten GPS!
Bald stellten wir fest, dass wir unter einem Glücksstern fuhren, es hatte wohl mehrere Tage nicht geregnet und daher waren wirklich große und tiefe Schlammpfützen nicht so häufig.
Gegen 17 Uhr kamen wir tatsächlich in Savuti an. Die Parkranger wiesen uns einen Stellplatz zu und wir machten eine Abendpirsch rund um Savuti. Immer wieder sahen wir uralte Elefantenbullen, zumeist Einzelgänger, die ausgesprochen „verwittert“ wirkten und manchmal gemächlich angriffen. Doch waren wir schneller.
Nachts erwachten wir in unseren Dachzelten, weil es plötzlich sehr laut wurde, da Hyänen wohl Kampfspiele um die Autos herum veranstalteten. Das hat schon was!
Am nächsten Tag gesellte sich auf dem Weg nach Moremi noch ein drittes Team zu uns – zwei Pärchen aus Norddeutschland, die sich am Tag zuvor in einer Schlammpfütze festfuhren und hart arbeiten mussten, um sich zu befreien.
Für die 120 km bis zum Khwai Gate in Moremi brauchten wir den ganzen Tag. Oft ist der Weg so schlecht, dass man nur ungefähr 10 km in der Stunde schafft. Anfangs fuhren wir durch dichten Mopanewald, der fast europäisch anmutet, wären da nicht immer wieder Elefanten. Ansonsten sahen wir nicht viel Wild in dem riesigen Gebiet. Auf einer offenen Ebene waren plötzlich Tausende von Zebras. Fuhren wir an einem Fluss entlang, tummelten sich oft bis zu 20 Flusspferde im Wasser. Eine wunderbar ursprüngliche Landschaft und ein Vogelparadies noch dazu.
Vielleicht waren wir zu sehr abgelenkt, denn als der Verdacht aufkam, wir könnten uns verfahren haben, wurde uns das durch die GPS-Messung bestätigt. Also ca. 25 km zurück, wo wir den richtigen Weg vermuteten, doch genau weiß man das immer erst am Ziel.
Ungefähr 5 km vor dem North-Gate-Camp in Moremi versanken unsere norddeutschen Begleiter wieder in einer Schlammpfütze. Um- und vorsichtig wurden sie mit dem Abschleppseil herausgezogen. So ein Erlebnis gehört wohl einfach auch dazu.
Über einen abenteuerlichen Knüppeldamm erreichten wir dann das Camp. Es wurde bereits dunkel.
Am nächsten Morgen zum Frühstück waren die Paviane unsere größte Herausforderung. Sie klauten alles, was nicht niet- und nagelfest war. Kaum stand eine Tür offen, räumten sie das Auto auf.
Bei bestem Wetter fuhren wir dann mit dem Schweizer Team zum South Gate des Moremi Game Reservats. Nach einer weiteren Stunde waren wir in Shorobe und die restlichen Kilometer bis Maun fuhren wir auf einer Teerstraße! Ein fast vergessener Luxus.
Das bunte Leben in Maun bot uns ein wirkliches Kontrastprogramm. Tanken, Einkaufen und ein Luxusmittagessen – Kudusteak .
Am nächsten Tag trennten wir uns von unseren neuen Schweizer Freunden und fuhren zurück ins Moremi Game Reservat. Denn Löwen wollten wir unbedingt noch sehen.
Im nordwestlichen Teil des Parks suchten wir das Xakanaxa Camp. Es war sehr schwer zu finden, aber urig einsam. Zur Abendrundfahrt war an den Paradise Pools (was für ein Name)
hervorragendes Fotografierlicht, ein Gewitterwolkensonnengemisch. Doch Raubtiere waren nicht in Sicht.
Unsere Abendmahlzeit im Camp bei Lagerfeuer und Kerzenlicht wurde schlagartig lautstark entzaubert. Nur ca. 20 m entfernt kämpften zwischen den Bäumen zwei Flusspferdbullen urgewaltig mit gnadenloser Härte. Die bedrohlichen Geräusche ließen uns ehrfürchtig, vielleicht auch etwas ängstlich, hinter dem Auto abducken. Im Taschenlampenlicht waren fragmentarische Chaosbewegungen erkennbar. Schlagartig war es vorbei und etwas hektisch krochen wir ins Dachzelt.
Düstere Regen- und Gewitterstimmung am nächsten Morgen verursachte schnelles Zusammenpacken und 6.30 Uhr ging es auf Frühpirsch. Ein Flusspferd rannte durch den Wald, ein seltsames Bild. Dann eine offene Ebene mit lockerem Baumbestand und vielen Wasserflächen, bevölkert mit hektisch das Wasser durchsiebenden Löfflern, Sattelstörchen, Nilgänsen, Krokodilen und vielen äsenden Litschiantilopen. Endlich unmittelbar am Weg ein Löwenrudel, satt und träge in Vormittagsruhe. Wenig später kehrten wir um, da der Weg immer sumpfiger wurde, und es zu regnen begann. Einen Tag vorfristig verließen wir das Naturparadies, denn wir wollten keinen Zwangsaufenthalt riskieren.
Von Maun fuhren wir nun über Ghanzi den Kalaharihighway entlang bis ins 400 km entfernte Mamuno. Das ist der Grenzübergang von Botswana nach Namibia. Unser nächstes Ziel war die Wüste im Südwesten Namibias. Zu schön war es dort einfach im letzten Jahr. Ein gutes Stück Weg – ungefähr 600 km über Gobabis, Mariental, Maltahöhe, durch das Namib Rand Nature Reserve (eine bergige Halbwüstenweite) bis Sesriem, den Wüsteneinstiegsort.
Für zwei Tage trafen wir unsere Schweizer Freunde wieder, fuhren abends in die Wüste und bestiegen barfuß die Düne 45, um bei untergehender Sonne und unbeschreiblicher Stimmung im Wüstensand und Fotografierrausch zu versinken.
Am nächsten Morgen ging es um 6 Uhr wieder 60 km in die Wüste hinein – nach Sossusvlei zu den höchsten Dünen der Welt („ Big Mama“ ist 300 m hoch). Wieder wurden wir von einer einzigartigen Stimmung und dem Wechselspiel von Sonne und Wolken verzaubert. Eine völlig andere Welt.
Unser vorletztes Ziel war Swakopmund am Atlantik, das deutsch anmutende Seebad in der Wüste. Durch den Namib Naukluft Park fuhren wir nach Solitaire, dann in die Berge und schließlich 120 km durch die Wüste bis Walvis Bay. Von dort sind es nur noch 40 km bis Swakopmund. Nach drei Wochen Dachzeltübernachtung gönnten wir uns hier ein richtiges Bett im „Prinzessin Ruprecht Heim“, einem ehemaligen Lazarett, das nun als Hotel und Seniorenheim dient. Hier konnten wir das angenehme Seeklima in vollen Zügen genießen – und Kingklip, den vielleicht besten Fisch der Welt.
Die letzte Etappe führte über das Khomas Hochland (der höchste Paß bei 2.000 m) nach Windhoek. Unkomplizierte Autoabgabe und vorbei der Traum. Schade!
Über 5000 km durch Namibia, Botswana und Zimbabwe. Wildnis, Wüste, Sümpfe, Berge, Meer – eine kaum zu übertreffende Landschaftsvielfalt. Es war schon ein Naturerlebnis der besonderen Art.
Herzlichen Dank dem Reisebüro „Venter Tours“ in Neubrandenburg, welches auf Südafrika spezialisiert ist. Von Caspar Venter, der selbst Südafrikaner ist, bekamen wir viele wertvolle Insidertipps zur Vorbereitung der Reise. Sein Paketangebot „Mietwagen plus Flug“ war im Vergleich absolut überzeugend.