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Die Olduvai-Schlucht oder die „Wiege der Menschheit“

Die Olduvai-Schlucht in Tansania

Wer an Tansania denkt, der sieht sie vor sich, die Serengeti mit ihrer endlosen Weite und ihrer faszinierenden Tierwelt. Man sieht den spektakulären Ngorongoro Krater, den Tarangire- und Lake Manyara Nationalpark… 

Kurzum eine Tansania-Reise steht in erster Linie für Safaris und Tierbeobachtungen.
Deshalb besuchen die meisten Safari-Urlauber die Olduvai-Schlucht nur „nebenbei“ auf dem Weg zur Serengeti.

Dabei gilt diese Schlucht neben zwei weiteren Fundstätten in Afrika als „Wiege der Menschheit“ und ist ein wahres „Fenster in die Vergangenheit“.

Geschaffen wurde die etwa 100 Meter tiefe und 50 Kilometer lange Olduvai-Schlucht (auch Oldupai-Schlucht genannt) durch den Oldupai-River, der sich in Tausenden von Jahren tief in die Landschaft grub. Dabei legte er insgesamt sechs Ablagerungsschichten verschiedener Erdzeitalter und Spuren menschlicher Existenz frei. Und so kamen zahlreiche versteinerte Überreste von Tieren und prähistorische Werkzeuge menschlicher Vorfahren, die sich seit Millionen von Jahren in der Erde befanden, zum Vorschein. An zahlreichen Stellen liegen auch heute noch versteinerte Tierknochen direkt an der Oberfläche.

Erstmals sorgten die Funde in der Olduvai-Schlucht für Aufsehen, als der deutsche Neurologe und Paläontologe Professor Wilhelm Kattwinkel im Jahr 1911 als erster Europäer die Schlucht betrat und dabei auf die Überreste des längst ausgestorbenen dreizehigen Urpferds (Hipparion) stieß. Im Jahr 1913 folgte der Berliner Forscher Hans Reck und fand das erste Hominini-Fossil, einen rund 20.000 Jahre alten Schädel von Homo sapiens.

Nach diesen ersten spektakulären Funden, verhinderte der 1. Weltkrieg weitere Expeditionen und so sollte es fast 20 Jahre dauern, bis es weitere Forschungen in der Olduvai-Schlucht gab.

Erst 1931 machte sich das britische Anthropologen-Ehepaar Mary und Louis Leakey zu einer Forschungsreise in dieses Gebiet auf. Schon bei ihrer ersten Erkundung stießen sie auf eine Vielzahl an prähistorischen Steinwerkzeugen. Und so forschten sie über 25 Jahre nach Spuren der Menschen und untersuchten die zahlreiche Funde an Faustkeilen und steinernen Speerspitzen.
Auch wenn diese Arbeit von hohem wissenschaftlichen Wert war, gelang Mary Leakey die große Sensation erst am 17. Juli 1959, als sie einen Schädel fand, der noch ziemlich intakt war und in dessen Oberkiefer sogar noch Zähne steckten. Dieser etwa 2 Millionen alte Schädel eines „Nussknackermenschen“ – er wurde auf den Namen Boisei getauft – war damals der älteste Fund eines Fossils eines Vertreters der Homini.
Kurz darauf, am 2. November 1960, fand ihr Sohn Jonathan Überreste eines Homo Hablis – eines „geschickten Menschen“, dessen Alter auf 1,75 Millionen Jahre geschätzt wird. Auch dieser Fund war der erste dieser Art.

 

linkes Bild: Daderot

rechtes Bild: By Draw made by Cicero Moraes and 3D scanning of the skull by Dr. Moacir Elias Santos. - Own work, CC BY-SA 3.0

Achtzehn Jahre später, im Jahr 1978, sollte Mary Leakey einen weiteren spektakulären Fund machen. Etwa 45 Kilometer südlich der Olduvai-Schlucht, in Laetoli, fand sie fossile Fußspuren von drei aufrecht gehenden Individuen der Hominini – die sogenannten Laetoli Footprints.
Diese Spuren, deren Alter auf etwa 3,7 Millionen Jahre geschätzt wird, stammen möglicherweise von einer Familie. Man geht davon aus, dass die beiden Erwachsenen eine Körpergröße von 1,20 bis 1,50 Meter hatten.
Wahrscheinlich gingen diese Vormenschen über die noch nicht ganz ausgekühlte Asche des heute erloschenen Makarot-Vulkans, wo sich die Fußabdrücke einbrannten und von der Asche späterer Vulkanausbrüche überdeckt und konserviert wurden. Auch heute sind die Fußabdrücke abgedeckt, denn Umwelteinflüsse begannen die Spuren zu zerstören.

Nachbildung der Fußabdrücke von Laetoli

Die Forschungen in der Olduvai-Schlucht gehen heute noch weiter. Mary Leakey ging 1983 in den Ruhestand gegangen, aber die Suche nach den Spuren der Menschheit wird noch einige Zeit andauern.
Für Interessierte bietet das kleine Museum am Rand der Schlucht viel Informatives. So werden zum Beispiel die Ausgrabungen in der Schlucht und in Laetoli anschaulich dokumentiert.
Außerdem können die Besucher auch zahlreiche Steinwerkzeuge aus unterschiedlichen Erdzeitaltern, fossile Funde tierischer Skelette und Gipsabdrücke der Laetoli Footprints bewundern. Die Schädelknochen des „Boisei“ befinden sich allerdings im National Museum in Dar es Salaam.

Vom Aussichtspunkt neben dem Museum hat man einen fantastischen Blick über die Schlucht und auf die freigelegten Gesteinsschichten.

Fotos: © Dorothee Raskin

Wer die Schlucht hautnah erleben möchte, kann diese in Begleitung eines Guides erkunden. Allerdings sind die Fundstätten in der Schlucht nicht markiert – lediglich an der Stelle, wo der „Boisei“ gefunden wurde, erinnert eine Messingtafel an die Leakeys.

Die Gedenktafel in der Olduvai-Schlucht

Foto: Von Gerbil - Eigenes Werk, CC BY 3.0

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