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"Krisensitzung" - Ein Kommentar von Louis Venter

Toilettenpapier

Nach sieben Monaten voller Abenteuer, Bereicherungen fürs Leben und neu gewonnenen Freundschaften in Nepal, Thailand und Australien, musste ich meine Heimkehr gezwungener Maßen antreten.

Am letzten Tag im südlichen Sydney in einer zweireihigen Schlange im Woolworths anstehen um den heiligen Gral, zweilagige Toilettenpapierrollen, zu bekommen und den Tag darauf leergeräumte Flughäfen betreten. Angekommen in Deutschland trifft mich der nächste Schlag: mein Heimatland gleicht einer kargen Öd-Landschaft. Keine Menschenseele in Sicht. Ungeahnte und überfordernde Situationen, die sich alle in einem Faktor gleichen.

Toilettenpapier.

Dieser Begriff und die Begierde der meisten Hamsterkäufe ist womöglich der Grund, weshalb ihr auf meinen Artikel gestoßen seid. Denn ungelogen, Toilettenpapier konkurriert mit Greta Thunberg, Justin Bieber und Pornhub um den Thron der meist gegoogelten Wörter momentan. Die Frage, die ich mir da stelle lautet, wieso? Wieso ist die Antwort auf eine globale Epidemie das Leerräumen von Regalen im Supermarkt und die Imitation Trumps, eine Mauer aus Klopapier in den eigenen vier Wänden zu errichten? Mir wurde gesagt, dass es den psychologischen Aspekt habe, man könne Toilettenpapier stapeln und sich einer imaginären Sicherheit vergewissern. Leute, euer Darm ist nicht mutiert und zu lange auf Toilette zu sitzen ist noch immer ungesund.

Buschtoilette Komfort
Buschtoilette

Wie wichtig ist das....

Was bringt mich nun dazu, solch einen Artikel zu verfassen?

Ich möchte über Existenzgrundlagen reden. Nicht über die Existenz jener, die wie wir durch einen Staat abgesichert sind und selbst in Krisensituationen 60% ihres Lohns bezahlt bekommen. Ich möchte festhalten, dass es Personen gibt, die ihrer Existenz beraubt werden. Eine Gruppierung von ihnen, auf die ich mich heute auch beziehen werde, sind Mitglieder der Tourismusbranche in Entwicklungsländern. Viele von euch sind bestimmt schon in entfernte Gebiete gereist, haben wundervolle Landschaften auf den verschiedensten Kontinenten sehen können oder haben die herzliche Gastfreundschaft Afrikas oder Asiens erlebt. Einige von euch haben vielleicht sogar gegen die verbreitete Armut entgegengewirkt, Klamotten gespendet, ein Freiwilligenjahr absolviert oder einfach durch die gebuchte Reise der lokalen Bevölkerung die Möglichkeit gegeben, sich einen Lebensunterhalt zu erarbeiten. Ich durfte 2019 in Nepal in einer Blinden-Schule als Lehrkraft aushelfen und habe die Freude meines Lebens verspüren können, doch habe ich wiederholt feststellen müssen, wie sehr ärmere Länder auf den Tourismus der privilegierten Europäer angewiesen sind. Abhängigkeit ist ein gefährliches Unterfangen und dank eines unvorhersehbaren Ereignisses, das Coronavirus, hat die gesamte Branche ein Problem.

Louis mit Kindern in Botswana
Kids mit Elefanten
Auf Safari in Tansania
Bootsfahrt in Botswana

... gegen Erlebnisse wie diese?

Die Europäer können nicht mehr reisen.

Und das ist gut! Es ist sinnvoll und naheliegend, bei dem Stand der Dinge mit der Familie zuhause zu bleiben und sich selbst und andere nicht zu gefährden. In der Ausbreitungszeit des Virus ist die Isolation die einzige Möglichkeit. Doch was passiert mit bereits gebuchten Reisen, in dessen Ausarbeitung Energie und Kosten stecken? Sie werden aus Existenzgründen und einer paranoiden Ratlosigkeit storniert. Denn man weiß ja nicht, ob morgen ein Komet auf die Erde fällt oder übermorgen gar die Welt untergeht. Die Stornierung einer Reise, für die ein Jahr im Voraus alles geplant und an die lokalen Stellen bezahlt geworden war, zwingt nicht nur deutsche Tourismusunternehmen in die Knie und drängt sie zur Insolvenz, sondern lässt auch Hotelangestellte, Lodge-Manager, Dolmetscher und Guides im Reisegebiet mit leeren Händen dastehen. Hände, die zuvor deren Kinder füttern konnten, doch die ihrer Existenz beraubt worden sind. Denn einige Staaten in Afrika verfügen nun mal nicht über ein Sicherheitsnetz, über die monetären Kapazitäten, um all die Bürger zu versorgen. Unsere Ängste hier, sich den Arsch nach dem großen Geschäft nicht mit vierlagigem Toilettenpapier abwischen zu können, und deren Angst, ihren Kindern erklären zu müssen, dass in kommenden Tagen, Wochen oder Monaten die Nahrung knapp sein wird, spielen in komplett unterschiedlichen Ligen. 
Dein Reisewille, unbekannte Regionen zu erforschen und sich mit fremden Kulturen anzufreunden, hat Menschen die Möglichkeit gegeben zu träumen. Hat ihnen die Chance gegeben, Hoffnungen auf ein schöneres Leben zu setzen mit mehr Sicherheiten, mehr Gewissheit, wo das Essen die nächsten Tage herkommen soll. Jede Entscheidung hat Konsequenzen für alle Beteiligten und deine Entscheidung, eine Reise zu wagen, hat das Leben unzähliger Menschen bereichert. Menschen, die sich freuen, dich mit einem Lächeln zu begrüßen und Teil eines unvergesslichen Erlebnisses zu sein.

Wieso nicht einfach die Reise verschieben?

Vergesst selbst in solchen Zeiten, voller Spannungen und geschürten Ängsten, nicht euer altes Ich, das sich für eine Reise entschieden hatte. Ignoriert nicht das Glänzen in euren Augen, dass euch zur Entscheidung solch eines Abenteuers bewegt hat. Es gibt ein sehr bekanntes Sprichwort, welches ich euch zuletzt noch mit auf den Weg geben möchte. „Menschen bereuen nicht etwas gemacht zu haben, sondern etwas nicht gemacht zu haben“. Hört auf euer Herz und denkt an all die Menschen, dessen Leben ihr mit einer einfachen Entscheidung unterstützen könnt.

Bleibt gesund und stark als Familie und nutzt die Zeit, um ungeahnte Seiten von euch zu entdecken. Denn jeder Schritt ist der Anfang einer Reise!

Safari Fahrzeug in Botswana

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