Giraffe

Mit dem Dikdik durch Namibia

Susanne mit Ida im Sossusvlei

– oder: Wie infiziert man sein Kind mit dem Afrika-Virus?

Nachdem ich meiner Tochter Ida ja nun schon seit Jahren vorschwärme, wie schön es in Afrika ist und wie viel Spaß es macht, anderen Menschen Traumreisen dorthin zusammen zu stellen, war es langsam an der Zeit, ihr auch einmal einen ersten Eindruck zu verschaffen. Gut, sie ist erst 8 Jahre alt, aber für Afrika ist es doch nie zu früh…

Welche Reise also unternimmt man am besten mit einem Kind? Als absoluter Namibia-Fan habe ich über diese Frage nicht lange nachgedacht und mich mit ihr gemeinsam kurzerhand in das letzte freie Zimmer unserer Kleingruppenreise „Dikdik – Zu den Höhepunkten Namibias“ gebucht. Der Vorteil an der Entscheidung, an einer Gruppenreise teilzunehmen: Um das Fahren kümmert sich ein anderer und ich habe sogar während den Fahrten Zeit, mich mit meinem Kind zu beschäftigen, besser geht es doch gar nicht.

In Windhoek angekommen begrüßte uns unser Reiseleiter Alpheus bereits und brachte uns erst einmal in unser Hotel. Hier konnten wir uns bei einem kleinen zweiten Frühstück stärken, bevor wir uns auf den Weg machten, Windhoek zu erkunden. Besonders beeindruckte mich hier der Bishop Kameeta Kindergarten in Katutura, den ich zum ersten Mal besuchte. Mit wenig Geld und wenig Platz, dafür aber umso mehr Einsatz hat Anna Fredericks hier einen Ort geschaffen, an dem die Kinder der Township sich wohlfühlen, lernen und spielen können – eben ein Zuhause haben. Meine Tochter war erstaunt, wie anders ein Kindergarten in Namibia aussieht und freute sich umso mehr, die Mal- und Bastelbücher abzugeben, die wir mitgebracht haben.  

Bishop Kameeta Kindergarten

Am nächsten Tag starteten wir in Richtung Sossusvlei. Nach der obligatorischen Reifenpanne (Alpheus schwört, es sei ihm vorher noch nie passiert! Für mich ein weiteres Mal die Bestätigung, dass eine Gruppenreise mit fachkundigen Reifenwechslern an Bord die richtige Entscheidung war… ) erreichten wir das schöne Desert Camp kurz vor den Toren des Sossusvlei. Und – juchuuuh – es gibt einen Pool! Der Nachmittag stand zur freien Verfügung und so genossen wir die Ruhe am Pool – na gut, mit unserer Ankunft war die dann am Pool vorbei, aber das hat niemanden gestört glaube ich. Die Nacht im Tented Camp war wieder einmal ein Traum, nirgends auf der Welt komme ich so zur Ruhe wie hier in Afrika und auch meine Tochter war begeistert, in „einem Zelt mit Bad“ zu schlafen.

Desert Camp

Den nächsten Tag hätte ich wohl lieber auch am Pool verbringen sollen, denn meine kleine Powerbank Ida zeigte mir mal, wie man die Dünen hochklettert. Nicht etwa nur so wie alle den Kamm hinauf, nein, auch mal vom Dead Vlei aus quer hoch. War ganz schön anstrengend, ihr dabei zuzugucken. Dafür gab es dann Applaus von allen anwesenden Besuchern, die sich gerade in der Salzpfanne aufhielten. Ich habe einfach die Farben genossen, das Rot der Dünen, das Blau des Himmels, das Weiß der Pfanne und das Schwarz-Braun der ausgetrockneten Bäume – immer wieder ein Erlebnis!

Ida wandert auf die Düne

Über Walvis Bay ging es dann ins 10°C kühlere Swakopmund, ein toller Ort, um mit Kindern eine schöne Zeit zu verbringen. Ganz ohne vorgegebenes Programm, auch wenn wir uns wie die anderen Teilnehmer einer Catamaran-Fahrt hätten anschließen können. Wollten wir aber nicht. Wir wollten Sandburgen bauen, mit den Füßen in den kalten Atlantik springen, sensationell gutes Eis essen und in den Geschäften nach ersten schönen Andenken schauen. Richtige Mutter-Tochter-Quality-Time eben.

Ida in Swakopmund

So gestärkt und entspannt erreichten wir am nächsten Tag die Hohenstein Lodge im Erongo Gebirge – und wurden standesgemäß von den hauseigenen Straußen begrüßt. Was für ein traumhafter Ort! Absolut zu empfehlen für jede Reise, auch für zwei Nächte, vor allem für Selbstfahrer, die die Umgebung gerne zu Fuß erkunden. Vom Bungalow kann man direkt los wandern oder so wie wir zu dem nahegelegenen Bushmen-Dorf fahren, um sich deren traditionelle Lebensweise erklären zu lassen. Wie macht man Feuer ohne ein Streichholz, wie jagt man Tiere ohne ein Gewehr und wie bastelt man Schmuck aus den Dingen, die die Natur einem bieten? Auch für Kinder absolut faszinierend.

Getoppt wurde das noch im „Living Museum of the Damara“ in Twyfelfontein, wobei man die beiden Dörfer auch wirklich nicht miteinander vergleichen darf. Unser Guide dort vermittelte uns eindrucksvoll, wie das Volk in der Vergangenheit lebte und bewies wieder einmal, was für ein kinderfreundliches Land Namibia ist. Da können wir uns doch mancherorts eine Scheibe davon abschneiden.

Ida mit Kind

Die Felsgravuren von Twyfelfontein sind ebenfalls sehenswert für jung und alt. Bilder aus längst vergangenen Tagen, manche ganz eindeutig auch für uns zu erkennen, bei der Entschlüsselung anderer half der lokale Führer. Ein wenig trittsicher sollte man sein, denn der Rundweg führt teils über große Felsen, was natürlich vor allem für Kinder und Jugendliche noch einmal den besonderen Spaß mit sich bringt.

Die Vingerklip Lodge entlohnte nach einem langen Tag dann wirklich sämtliche Mühen. Was für ein atemberaubender Ausblick! Wir kamen kurz vor dem Abendessen an, aber für einen kurzen Sprung in den Pool ist es nie zu spät und so genossen wir unseren „Sundowner-Swim“, bevor wir uns am leckeren Buffet der Lodge stärkten. Schließlich mussten wir auch gut schlafen, denn am nächsten Tag war es endlich soweit: Wir erreichten den Etosha Nationalpark. Endlich noch mehr Tiere, die nicht eingezäunt in irgendeinem Zoo stehen!

Pool in der Vingerkliplodge

Begrüßt wurden wir im Etosha Village direkt von der heimischen Kudu-Herde - Gott sind die süß! Mit unserem Reiseleiter Alpheus unternahmen wir dann alle eine erste gemeinsam Pirschfahrt in unserem Reiseminibus durch den Etosha Nationalpark, um einmal einen ersten Eindruck zu bekommen. Zebras, Giraffen, Elefanten und diverse Antilopen bekamen wir schon einmal zu Gesicht. Für den nächsten Tag hatten wir uns entschlossen, uns einer englischsprechend geführten Pirschfahrt im offenen Allradfahrzeug der Lodge anzuschließen. Meine Mitreisenden entschieden sich für die Ganztagestour, meine Tochter und ich buchten die Halbtagestour. Weil auf unserem Auto niemand der anwesenden (und übrigens auch alle deutschen) Gäste aufrücken wollte, ich aber nicht bereit war, getrennt von meinem Kind auf einem anderen Fahrzeug zu sitzen, ließ unser Guide Ida auf den Beifahrersitz – Mann, war das cool! Und was wir da alles gesehen haben - der absolute Traum! Der Höhepunkt für Ida war sicher die Löwenfamilie mit Papa, Mama, Kind und frisch erlegtem Zebra. Mein Höhepunkt war ein Nashorn, so blöd das klingt, aber ich freue mich immer, ein Exemplar einer doch leider schon sehr rar gewordenen Spezies unserer Erde in seinem Lebensraum zu sehen. Und auch die Äußerung meiner Tochter gehört für mich zu den schönen Erinnerungen: „Mama, jetzt weiß ich, warum du Zoos nicht so toll findest.“

Nicht dass ihr denkt, unsere Tierbeobachtung wäre damit schon vorbei, nein! Als wir nach dem Essen über den Rasen zu unserem – übrigens sehr geräumigen und klimatisierten – Zimmer gehen wollten, graste die Kudu-Herde am Pool, wie spannend bei Nacht! Zwar sind die Tiere an Menschen gewöhnt, dennoch war das eine schöne Begegnung. Wir schlichen uns langsam vorbei zu unserem Zimmer.

Ida als Beifahrer auf der Pirschfahrt

Über die kleine Stadt Outjo, wo wir uns noch einmal mit Bargeld versorgen konnten, ging es dann in die Region des Waterbergs und zur neuen Cheetah View Lodge auf dem Gelände des Cheetah Conservation Funds (CCF). Hier wird eine unglaublich tolle Arbeit für den Schutz der Geparden geleistet. Programme, die dazu beitragen sollen, zum einen die Farmer dabei zu unterstützen, ihr Vieh vor Wildkatzen zu schützen, aber auch Verständnis für die Geparden zu entwickeln, stehen hier im Vordergrund. Für den Cheetah Run, einer Art Trainingseinheit für die hier lebenden Geparden, die dadurch ihren Jagdinstinkt erlernen oder beibehalten sollen, um später die Chance zu haben, wieder ausgewildert zu werden, können sich interessierte Besucher anmelden, Kinder sind hier aus Sicherheitsgründen jedoch nicht erlaubt. Unsere Mitreisenden berichteten uns deshalb am Abend von diesem eindrucksvollen Erlebnis.

Ida wandert auf den Waterberg

Der Waterberg war das letzte Ziel unserer Reise. Gemeinsam erklommen wir den felsigen Weg entlang einer gut ausgezeichneten Route bis zum Plateau. Ok, ich muss mich outen: Wir waren diesmal nicht ganz oben, ich habe mich in dem Fall nach meiner Tochter gerichtet. Ihr fiel dann irgendwann ein, dass es hier auf dem Gelände des Waterberg Plateau Parks noch einen Pool gab und den wollte sie bei der Hitze auch noch ausprobieren, also sind wir zwei kurz vor dem Ziel umgekehrt. Aber das ist auch das Schöne an der Reise: Zwar reist man in einer Gruppe, aber es gibt immer Gelegenheit, sich einmal individuell zu bewegen oder eben eine Pause einzulegen, während die anderen sich noch zum Plateau hinauf kämpfen.

Auch einen Abstecher in die jüngere Geschichte unternahmen wir hier bei dem Besuch des deutschen Soldatenfriedhofs am Fuße des Waterbergs. Irgendwie unwirklich und so gar nicht passend dachte ich im ersten Moment, aber auch dieser Abschnitt gehört zur Geschichte des Landes.

Der letzte Abend in Namibia, so schnell war die Zeit vergangen. Während die anderen schon einmal ihre Koffer packten und die Aussicht von ihrem Zimmer genossen, unternahm ich mit Ida noch eine letzte Sundowner-Pirschfahrt über das Gelände des CCF. Wir haben keine Geparden mehr gesehen, aber einige kleinere Tiere – und vor allem noch einmal den Sonnenuntergang und den schönsten Sternenhimmel der Welt.

Schön war’s. Und ich habe meine Mission erfüllt. Mit den Worten „Mama, und das nächste Mal fliegen wir nach Südafrika“ gab mir meine Tochter den Beweis, dass ich sie erfolgreich mit dem Afrika-Virus infiziert habe.

Mutter und Kind

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