Giraffe

Vom Corona-Lockdown direkt ins Urlaubsparadies Botswana

Katja Venter in Botswana

Nachdem mein Namibia-Reisebericht im Oktober 2020 sehr gute Resonanz bei vielen interessierten Afrika-Reisenden gefunden hatte, wusste ich, dass ein starkes Interesse darin besteht, zu erfahren, ob auch die Nachbarländer ähnlich unproblematisch bereist werden können.

Mein Plan war spätestens im Frühjahr 2021 wieder meine Taschen zu packen, um direkt vor Ort schildern zu können, wie es den Menschen in Afrika geht und ob reisen zu Corona-Zeiten möglich ist. Doch es kam anders. In Deutschland bereitete man sich vom Lockdown „light“ auf wochenlange Schließungen des öffentlichen Lebens vor. Gleichzeitig stieg die Nachfrage für kurzfristige Reisen und damit auch die Notwendigkeit, unsere Kunden in gewohnter Qualität über die exakte Situation vor Ort informieren zu können. Also entschied ich mich kurzerhand noch im alten Jahr ein zweites Mal nach Afrika zu reisen. Wieder wurden RKI-Daten analysiert, Trends zu Infektionszahlen ausgewertet und Online-Recherchen durchgeführt.

Meine Wahl fiel letztlich auf eine Flugsafari ins Okavango Delta in Botswana. Die Covid-Zahlen im Vergleich zu anderen Ländern waren sehr niedrig und ich wusste, dass durch die Besuche der kleinen Camps mitten im afrikanischen Busch größere Menschenansammlungen vermieden werden. Die Vorbereitungen liefen ähnlich wie beim Namibia-Besuch, Abschluss einer Krankenversicherung, rechtzeitige Durchführung eines Covid-19-Tests (max. 72h vor Einreise) und die Mund-Nasen-Maske nicht vergessen.
Um es vorwegzunehmen, in Botswana ist das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes wie auch das Temperaturmessen und Desinfizieren der Hände in allen öffentlichen Bereichen üblich.

Wer nach Botswana reist, der beginnt sein Abenteuer üblicherweise ganz oft in Kasane oder Maun. Mein Weg führte mich von Maun ins wunderschöne Okavango Delta. Am neu erbauten Flughafen wurden wir direkt an der Eingangstür 30 Minuten vor Abflug persönlich empfangen. Die Eincheck-Zeit betrug ganze 5 Minuten, Erinnerungen an das gute alte Berlin-Tegel wurden wieder wach. Unsere junge Flugpilotin war überglücklich nach langer Zeit endlich wieder internationale Urlauber fliegen zu können. Wir waren die einzigen Passagiere in einer kleinen Propeller-Maschine, auch bei den Einheimischen „Buschtaxi“ genannt. Der 30-minütige Flug bescherte uns eine traumhafte Sicht aus der Vogelperspektive. Die ersten Elefanten und Antilopen konnten wir durch den afrikanischen Busch streifen sehen. Das Okavango Delta mit seinen vielen Kanälen und Sumpfgebieten erinnert mich irgendwie an meine Heimat, die Mecklenburgische Seenplatte – tolle ähnliche Fotoaufnahmen habe ich schon gesehen, nur die afrikanischen Tiere muss man sich dazu dichten.

Katja und Uwe vor Kleinflugzeug
Pilotin im Buschtaxi
Flug über Okavango Delta
Kleinflugzeug im Okavango Delta

In unserer ersten Lodge angekommen, wurden wir bereits von unserem freundlichen Safari-Guide Simon begrüßt. Das erst kürzlich neu renovierte Shinde von Ker&Downey liegt in einem privaten Konzessionsgebiet. Nur dadurch ist es möglich, eine Vielzahl von unterschiedlichen Safari-Aktivitäten zu erleben, die viele andere Lodges aufgrund der verschärften Bestimmungen der Regierung nicht anbieten können. Drei Nächte durften wir hier verbringen, so hatten wir ausreichend Zeit, alle angebotenen Aktivitäten zu nutzen. Darunter zählen Tages- und Nacht-Fahrten in einem offenen Safarifahrzeug, Bootsausflug und Fahrt mit dem Mokoro (Einbaumboot) durch die Kanäle des Deltas sowie geführte Wanderung durch den afrikanischen Busch. Auch ein Angelerlebnis stand auf unserem Programm, bei dem wir die Ruhe und Stille des Deltas in vollen Zügen genießen konnten.
Am meisten beeindruckt hat uns das phänomenale Farbenspiel am Himmel während des Sonnenuntergangs. Es wirkte schon fast kitschig und so unwirklich, aber die verschiedenen Rottöne verzauberten unsere Herzen und bei einem guten Gin-Tonic fühlten wir uns überglücklich, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

Ausblick vom Shinde Camp
Katja vor Safari-Fahrzeug
Mokorofahrt im Okavango Delta
Sonnenuntergang im Okavango Delta

Aufgrund meiner Tätigkeit als Reiseveranstalter bin ich oft in Afrika auf Safari unterwegs. Genau deshalb weiß ich, welche Rolle auch Glück bei den außergewöhnlichen Tiererlebnissen spielt. Wir wurden nicht enttäuscht, als wir gleich auf unserer ersten Safari mit Simon zwei majestätische Löwenmännchen beobachten konnten. Ihr markerschütterndes Gebrüll bescherte uns aufregende Momente. Dem nicht genug, sprang ein Löwenmännchen vom Hunger getrieben, unerwartet auf und jagte kurzerhand ein plötzlich vorbeikommendes Warzenschwein-Baby. Das ängstliche Quieken klingt mir noch heute in den Ohren, nichts für sensible Menschen. Die Natur kann so grausam sein.

Nach diesem emotionalen Erlebnis führte unsere Safari weiter in den tiefen Busch und unser Guide erblickte in der Ferne etwas auf einem kleinen Hügel…. einen seltenen Leoparden – was für eine Freude. Mit dieser Überraschung hatten wir nicht mehr gerechnet. Nachdem wir unsere beeindruckende Fotosession beendet hatten, genossen wir einen herrlichen Sundowner und fuhren zurück zur Lodge, wo ein leckeres Abendessen den Tag vollkommen machte.

zwei Löwenmännchen
Löwenmännchen
Leopard

Vier weitere Gäste waren zu Besuch, allerdings hörten wir von unserem Guide, dass wir die nächsten zwei Tage, die Lodge für uns allein hätten, da keine Gäste mehr anreisen. Ich fragte nach, wieviel Angestellte zur Zeit in der Lodge arbeiten – 14 war die Zahl, vom Koch bis über den Kellner bis zur Reinigungskraft, dem Guide und Camp-Manager – alle nur für uns, es gab mir ein beklemmendes und trauriges Gefühl. Ich kann nur hoffen, dass die Pandemie bald vorbei ist und Touristen wieder unbeschwert reisen können. Nicht auszudenken, was mit all den armen Menschen passiert, sollte es so weitergehen.

Ein weiterer Höhepunkt war die Mokoro-Fahrt – ein einmaliges Erlebnis, bei dem man sich völlig im Einklang mit der Natur fühlt. Ein Bootsführer, auch Poler genannt, leitete uns mit seinem großen Stock in einem Einbaum-Boot durch die Wasserwege des Deltas. Kein Motorengeräusch, nur das viele Vogelgezwitscher und das Plätschern des Wassers verwöhnte unsere Ohren. Die vielen wunderschönen Wasserlilien erfreuten unsere Herzen, hier und da war auch ein kleiner Reed-Frosch im Schilf zu sehen. Eine bessere Entschleunigung kann ich mir nicht vorstellen.

Die Walking-Safari stand auf unserer Wunschliste, da wir auch im generellen sehr aktiv und sportlich sind. Wir lieben lange Distanzen zu wandern, so fragten wir nach einer längeren Tour und unser Guide Simon begleitete uns auf einer 10km Wanderung durch den Busch. Wir sahen Antilopen und weitere ungefährliche Tiere. Besonders beeindruckt hat uns das viele Wissen von unserem Guide, der uns mit voller Leidenschaft das Entstehen eines Termitenhügels erklärte. Keine unserer Fragen blieb unbeantwortet.

Mokorofahrt im Okavango Delta
Seerosen während der Mokorofahrt
Pirschwanderung im Okavango Delta
Termitenhügel

Nach drei Tagen voller Abenteuer und beeindruckenden Erlebnissen machten wir uns auf den Weg zur nächsten Lodge. Mit dem Buschtaxi flogen wir in nur 10 Minuten in das berühmte 4.871 km2 große Moremi-Wildreservat zum Camp Moremi von Desert&Delta. Wir wurden vom Camp-Manager Action höchstpersönlich empfangen, der uns zusammen mit anderen Gästen zum Camp fuhr.  Nun sollten wir die nächsten 3 Tage im ältesten Naturschutzgebiet in Botswana inmitten im Herzen des Okavango Deltas verbringen.

Für die nächsten Tage standen Boot- und Land-Safari auf dem Programm. Obwohl wir schon der Meinung waren, in der Zwischenzeit alle Tiere Afrikas gesehen zu haben, gab es erneut einmalige Eindrücke. Unsere ersten wilden Hunde, Büffel und Krokodile sowie seltene Vogelarten liefen uns vor die Kamera.  Es ist immer wieder atemberaubend, die einzigartigen Tiere in ihrer natürlichen Umgebung zu erleben. Auch dieses Mal wurden wir Augenzeuge eines besonderen Spektakels, bei dem es einer jungen Antilope gelang, sich nach zähem Kampf aus dem Biss eines Krokodils zu befreien und das Ufer schwer verletzt erreichte.

Zebras im Moremi Game Reserve
Wildhunde im Moremi Game Reserve
Bootsfahrt im Okavango Delta

Der absolute Höhepunkt war die Gastfreundschaft des anwesenden Personals. Jeden Tag kündigte die gesamte Belegschaft mit Musik und Tanz das Abendmenu an oder versammelte sich zum gemeinsamen Sundowner an der offenen Feuerstelle. Die Lebensfreude und Dankbarkeit in den Gesichtern haben mir gezeigt, wie gern man in Afrika die Gäste aus Europa und Übersee empfängt. Man ist stolz, sein Land und das Wissen über die Natur in den unzähligen Geschichten und bei den Ausflügen in den Busch präsentieren zu können.

Viele Einheimische haben uns mit Gänsehaut und Strahlen in den Augen empfangen, als sie erfuhren, dass wir aus Deutschland zu Besuch sind. Sie verbinden mit den Touristen Hoffnung – Hoffnung auf ein Ende der Pandemie, auf die Wiederbelegung Ihres Camps und auch, auf ein besseres Leben.

Die Reise nach Botswana war kurz und wegen Corona nicht ganz so unbeschwert, wie ich das sonst gewohnt bin. Man muss informiert bleiben, aktuelle Regeln kennen, flexibel reagieren und leider auch gewisse Zusatzkosten, z.B. für einen Coronatest zur Abkürzung der Quarantäne in Deutschland akzeptieren. Für Menschen, die mit diesen Anforderungen gut zurechtkommen, ist also eine Reise auch in ein vom RKI definiertes Risikogebiet nicht nur eine denkbare Alternative, sondern eine Chance, sich den Traumurlaub während der grauen Wintermonate zu Hause zu gönnen.

Katja und Uwe auf Safari

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