Das versteckte Skulpturenparadies – Tengenenge in Simbabwe

Heute möchte ich euch auf eine Reise schicken. Euren Geist werde ich auf einen Pfad führen, der sich der Schönheit von Distanz und Nähe bewusst ist. Unser Ziel: Tengenenge im Norden Simbabwes.

Bevor ich meine „Büchse der Impressionen“ öffnen kann, noch eine kurze Anmerkung. Am liebsten würde ich euch von der interessanten Fahrt, der unglaublichen Landschaft und den ganzen netten Menschen, denen meine Familie auf dem Weg nach Tengenenge begegnet ist, ausführlich erzählen. Doch will ich euch jetzt nicht mit einem Roman erschlagen. Wobei…- wenn Nachfrage bestehen sollte, schreibt es gerne in die Kommentare! 

Tengenenge

„Und so schuf Gott den Menschen.“
Zugegeben, einen Menschen zu erschaffen ist bis auf den Storch unmöglich. Doch was die Künstler in Tengenenge schaffen, kommt Gottes Werk in Sachen Schönheit schon ziemlich nahe! Tengenenge wurde 1966 von Tom Blomefield aus einer Tabakfarm in ein Kunstzentrum umgewandelt. Somit schuf Tom nicht nur das Potential für viele begabte Bildhauer, sondern fundierte auch eine nachhaltige Möglichkeit, Einkommen zu verdienen. Er schützte vieler seiner Arbeiter vor einer Hungersnot und dieser Dank war den Künstlern, denen ich begegnen konnte, noch immer ins Gesicht geschrieben. Doch dabei bleibt es nicht. Die Tengenenge-Community hat für die Asche des verstorbenen Tom Blomefield eine Skulptur errichtet. Eine Skulptur, die neben einer weiteren von Nelson Mandela auf einem Stein thront und jeden Besucher am Eingang begrüßt. Wenn ihr mehr über die Geschichte Tengenenges erfahren möchtet, dann kann ich euch nur ein Video empfehlen, welches ich unten einmal verlinken werde!

Unsere Ankunft verlief auf jeden Fall etwas anders. Nicht nur, dass mein Vater sich ordentlich verfahren hatte und wir nur durch die Hilfe von Passanten auf den richtigen Weg gelotst wurden. Ich sah einen etwas älteren Herren, der etwas ziemlich Schweres in einer Schubkarre zu schieben hatte und ohne zu zögern änderten wir die Situation: Meine Familie fuhr voraus, der Mann trank Wasser und so schob ich den mittlerweile als Löwen enttarnten Stein vor mich hin. 

Die Zeit bis zum Dorf verbrachten wir beide mit einem Gespräch und viel Gelächter. Er erzählte mir, dass er schon seit über 40 Jahren hier im Dorfe lebt und seit jeher Skulpturen fertigt. Somit ist er Nummer 37 im Dorf. Die Zahl zeugt von seiner Erfahrung als Bildhauer, außerdem gab es demnach nur 36 Künstler, die seit der Entstehung Tengenenges vor ihm waren. Ob seine Kinder denn Bildhauer seien und seine Enkelkinder später auch Bildhauer werden wollten, fragte ich ihn, nachdem er mich über seine Umstände informierte. Sein Sohn ist Bildhauer, meinte er, doch ob seine Enkelkinder in seine Fußstapfen treten möchten, dass ist noch ungewiss. “Meine Enkeltochter kann gut singen, vielleicht wird sie einmal ganz groß!“. Ich drücke all die Daumen, die ich habe! 300 Meter und einige mir zulächelnde Gesichter später wurden die ersten Skulpturen sichtbar und es ist keine Untertreibung zu sagen, dass ich absolut sprachlos war! 

Ich konnte mich 360 Grad drehen und dennoch waren überall Skulpturen ersichtlich. Ein Kunstgarten. Doch waren es nicht nur die Bildhauereien, die mich positiv überraschten. Auf vielen Feldern, die alle durch eine Steinreihe voneinander getrennt wirkten, konnte man den Künstler*innen bei ihrem Handwerk zuschauen. Hauen, Schleifen, Brennen, you name it. Jede*r war dabei, ihrer*seiner Kreativität eine Hülle zu geben.  Und dass, obwohl seit einigen Jahren immer weniger Menschen Tengenenge besuchen kommen, von der jetzigen Pandemie mal ganz zu schweigen. Eine Schande, aber auch gefährlich, da die finanzielle Situation auf den Verkauf von Skulpturen begründet liegt. Doch mein Gesprächsfreund versicherte mir, ich solle mir keine Sorgen machen. Denn immerhin ist er gerade dabei, einen Großauftrag für einen chinesischen Kunden fertigzustellen. 300-500 Löwen-Statuen sollen gefertigt werden, die dann von Lastern abgeholt werden. Ich war wie erschlagen von der Anzahl, denn der Detailgrad an den Löwen und die Finesse waren hoch, bei 1-2 Wochen pro Löwe würde die Fertigstellung bestimmt noch etwas dauern. Als ich mich dann meiner Familie näherte konnte ich schon erahnen, was vor sich ging. Denn nachdem mein Vater dem Vertreter der Künstlergemeinschaft, Cosmo, vorgestellt wurde, fing er an, die Mitbringsel aus dem Auto zu holen und an die Kinder, die sich mittlerweile schon um sie versammelt hatten, auszuteilen. Gummibären, Schreibutensilien und andere kleine, nützliche Dinge, die zuvor unser Reisegepäck erschwert hatten, konnten endlich ihren Zweck erfüllen und ein Strahlen auf die Gesichter der Kinder zaubern. Peinlich berührt schaute ich weg, ein Lächeln unterdrückend, dankbar für die soziale Ader meines Vaters. (Klatschen) (Klatschen) und eine Verbeugung. So drücken die Kinder ihren Dank aus, was ich zusammen mit einem „Tatenda“ für meine Danksagung in Zimbabwe getrost übernahm.

Nach unserer Zusammenkunft fing Cosmo an, uns über das Dorf und die verschiedenen Künstler*innen aufzuklären. Es werden Skulpturen von Menschen, Tieren und Gegenständen gehauen, aber auch das Abstrakte kommt nicht zu kurz. Besonders Cosmo fühlt sich von der kontinuierlichen Bewegung inspiriert und verbaut eigene Erfahrungen zusammen mit Ideen in seine zeitlosen Werke. Aus jenem Grund bat ich ihn auch, mir ein von Yin und Yang inspiriertes Kunstwerk zu kreieren. So viel sei dazu gesagt: ich bereue nichts.

Doch er gestand mir auch, dass er sich so langsam von dieser Thematik distanzieren wolle. Er möchte anfangen, seiner Dankbarkeit zu seiner Mutter in Form von Skulpturen Ausdruck zu verleihen. Alles was sie für ihn getan hat und immer noch tut, dafür ist er vom ganzen Herzen dankbar. Diese Emotionen, so wurde es mir im Verlaufe unseres Rundgangs bewusst, beflügeln auch viele andere Künstler*innen. Es ist nicht nur die Kreativität, sondern vielmehr die darin vermischten Erfahrungen und Gefühle, die der Skulptur eine solche Aura verleihen, die durchaus spürbar ist.

Unsere 2 Stunden in Tengenenge gingen leider viel zu schnell vorbei. Mal davon abgesehen, dass das Areal, auf dem sich die Skulpturen befinden, ziemlich groß ist und wir das meiste mehr überfliegen als richtig anschauen konnten, befinden sich noch ein Museum sowie ein Gasthaus für Besucher vor Ort. Tengenenge bietet nämlich auch die Möglichkeit, einfach mal abzuschalten. Es ist ein friedlicher Ort, der die Freude von spielenden Kindern mit der Ruhe und Konzentration fähiger Künstler*innen vereint. Es ist die Natur und die Aura der Skulpturen, die eine mystische Stimmung erschaffen und mir das Gefühl gegeben haben, im Einklang mit der Umgebung zu sein. Das Handy, meine einzige Verbindung zur chaotischen Welt da draußen lag im Auto und ich konnte mich so richtig frei fühlen, die Sorgen des Alltags und die Aufgaben der nächsten Chinesisch-Lektion komplett ignorieren und mich auf das Hier-Und-Jetzt fokussieren. Und da kam mir der Gedanke, dass dies womöglich der beste Ort sei, um der Arbeitswelt für 1-2 Wochen zu entsagen. Die Frische Luft zu inhalieren, sich an Bildhauerei-Workshops zu beteiligen, traditionelles Essen zu genießen und während eines Fußballspiels mit den Kindern das Leben nochmal auf einer anderen, mehr natürlicheren Ebene genießen.

Tengenenge ist eine international bekannte Künstlercommunity in Zimbabwe, und dennoch ist es viel mehr, als es verspricht zu sein. Ein wahrer Edelstein für Körper und Geist. Eine Oase der Entspannung und Prioritätsverlagerung auf das Wesentliche.

Übrigens genossen wir nach unserem Aufenthalt bei Tengenenge noch 3 weitere Tage in einem abgelegenen Areal, der Mavhuradonha Wilderness Area. Aber darüber erzähle ich euch später nochmal...

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